Studienergebnisse

Viele Untersuchungen beschäftigen sich mit der Wirkweise der Akupunktur und ihrer Anwendung bei verschiedensten Erkrankungen. Die chinesischen Arzneimittel rücken allmählich in den Focus der Schulmedizin. Auch Qi Gong und Tai Chi finden zunehmend Beachtung als komplementäre Therapieverfahren. Einige Ergebnisse möchte ich Ihnen hier vorstellen.

 

 

Pflanzliche chinesische Arzneimittel erhöhen Schwangerschaftsrate bei Infertilität um das Doppelte

Australische Forscher haben in einer systematischen Übersichtsarbeit festgestellt, dass eine Behandlung mit pflanzlichen chinesischen Arzneimitteln (PCA) die Schwangerschaftsrate im Vergleich mit westlichen medikamentösen Therapien (WMT) in einem Zeitraum von 3 bis 6 Monaten um das Doppelte erhöhen kann. Die Auswertung von 40 RCTs (randomisierte, kontrollierte Studien) mit 4247 an Infertilität leidenden Frauen ergab bei PCA eine 1,74 mal höhere Schwangerschaftswahrscheinlichkeit als bei WMT. Die Studienteilnehmerinnen litten an polyzystischem Ovar-Syndrom, Endometriose, Anovulation, Blockierung der Eileiter und unerklärlicher Infertilität. Die durchschnittlichen Schwangerschaftsraten waren in der PCA-Gruppe 60 %, in der WMT-Gruppe 33 %.

 

(Chinese herbal medicine for female infertility: an updated meta-analysis, Complement Ther Med, Februar 2015, 23(1), 116-28)

 

 

Moxibustion verbessert Lebensqualität bei Kniegelenksarthrose

Chinesische Forscher haben 150 Patienten mit chronischer Kniegelenksarthrose sechs Wochen lang dreimal wöchentlich entweder mit Verum-Moxibustion oder mit Sham-Moxibustion behandelt. Nach sechs und zwölf Wochen konnte die Verum-Gruppe signifikant größere Verbesserungen bei den allgemeinen Gesundheitswerten verzeichnen als die Sham-Gruppe.

 

(Effectiveness of moxibustion treatment in quality of life in patients with knee osteoarthritis: a randomized, double-blinded, placebo-controlled trial, Evid Based Complement Alternat Med, 2015, 2015:569523, 21. Januar 2015)

 

 

Antioxidative Wirkung von Akupunktur

Ein Review chinesischer Forscher zeigt, wie Akupunktur oxidativen Schädigungen vorbeugen und die antioxidative Abwehr durch Redoxsystem, antioxidatives System, antiinflammatorisches System, Nervensytem und andere Signaltransduktionswege verbessern kann. Dies könnte die Wirkweise der Akupunktur bei Krankheiten wie vaskuläre Demenz, Alzheimer, Parkinson und arterielle Hypertonie erklären.

 

(Acupuncture mechanism and redox equilibrium, Evid Based Coplement Alternat Med, 2014, 2014:483294)

 

 

Die Zeitschrift Science befürwortet traditionelle Medizin

Die Zeitschrift Science hat eine dreiteilige Reihe unter dem Titel "The Art and Science of Traditional Medicine" herausgebracht, die überzeugende Argumente für die Einbeziehung der traditionellen chinesischen Medizin in die moderne ärztliche Praxis liefert. Ein interessantes Beispiel ist in diesem Zusammenhang die Analyse von Arzneipflanzen, die zur Behandlung von Xue-Stasen und Schwäche des Qi bei koronarer Herzkrankheit eingesetzt werden. Diese Studie deutet darauf hin, dass diese Pflanzen vasodilatorisch und antikoagulativ wirken sowie die Mikrozirkulation verbessern und die Blutlipide regulieren können, während Qi suppletierende Pflanzen den Energiestoffwechsel steigern und eine antiinflammatorische Wirkung haben. Insgesamt stellt die Reihe eine nützliche Handhabe für Befürworter von Akupunktur und Arzneimitteltherapie dar, um mit dem Hinweis auf die Vorzüge eines integrierten Gesundheitssystems auf globaler Ebene auf gesundheitspolitische Entscheidungen Einfluss nehmen zu können.

 

(The Art and Science of Traditional Medicine Part 1: TCM Today – A Case for Integration, Science, Dezember 2014, 346(6216):1569; The Art and Science of Traditional Medicine Part 2: Multidisciplinary Approaches for Studying Traditional Medicine, Science, 16. Januar 2015, 347(6219):337)

 

 

Chinesische Medizin gegen Wechseljahrsbeschwerden

Im Zug einer englischen Pilotstudie wurden 117 perimenopausale Frauen von sechs erfahrenen Anwendern der chinesischen Medizin in einem Zeitraum von sechs Monaten maximal zwölfmal mit Arzneimitteltherapie und/oder Akupunktur behandelt sowie in Fragen der Ernährung und Lebensführung beraten. Bei den Patientinnen zeigte sich in allen Bereichen, die mithilfe von zwei Skalen für menopausale Symptome bewertet wurden, eine signifikante Verbesserung. Auf der MenQoL-Skala stellte sich zwischen erster und letzter Behandlung ein Rückgang von 4,31 auf 3,27 ein, auf der Greene Climacteric Scale von 21,01 auf 13,00. Untersuchungen der Leber- und Nierenfunktion zeigten während der Studie keine abnormalen Leber- oder Nierenwerte.

 

(Chinese medicine treatment for menopausal symptoms in the UK health service: Is a clinical trial warranted? Maturitas, 20. November 2014, pii:S0378-5122(14)000354-5)

 

 

Akupunktur auf F34/Gb34 (yanglingquan) aktiviert Gehirn bei Beeinträchtigung durch Morbus Parkinson

Mithilfe von fMRT (Fluoreszenz-MRT) verglichen koreanische Forscher die Reaktion der Gehirne von 12 Parkinson-Patienten auf Akupunktur mit der von 12 gesunden Versuchspersonen. Akupunktiert wurde der Punkt F34/Gb34 (yanglingquan) auf der rechten Seite, der mit motorischen Funktionen in Verbindung gebracht wird. Die fMRT-Bilder zeigten, dass Akupunktur auf F34/Gb34 (yanglingquan) bei Parkinson-Patienten präfrontalen Cortex, Gyrus praecentralis und Putamen aktiviert, lauter Hirnregionen, die bekanntermaßen bei Morbus Parkinson beeinträchtigt sind. Zudem zeigte sich, dass die Akupunktur bei den gesunden Versuchspersonen zu einer unterschiedlichen Aktivierung des Gehirns führte als bei den Parkinson-Patienten, bei denen die Hirnaktivität speziell in der linken Hirnhälfte nach der Akupunkturbehandlung signifikant größer war als bei den gesunden Versuchspersonen.

 

(Acupuncture on GB34 activates the precentral gyrus and prefrontal cortex in Parkinson´s disease, BMC Complement Altern Med, 15. September 2014, 14, 336)

 

 

Qi Gong bei Tinnitus

Im Zug einer deutschen Studie übten 80 Tinnitus-Patienten in einem Zeitraum von fünf Wochen zweimal wöchentlich Qigong oder kamen auf eine Warteliste. Grundsätzlich ließ in der Qigong-Gruppe die Tinnitusintensität gegenüber der Kontrollgruppe nach. Deutlicher waren die Verbesserungen in einer Untergruppe von Patienten mit somatosensorischem Tinnitus (Tinnitus infolge von muskulärer Überbeanspruchung). Hier kam es im Vergleich mit der Kontrollgruppe zu in hohem Maß signifikanten Verbesserungen.

(Qigong for the treatment of tinnitus: a prospective randomized controlled study, J Psychosom Res, September 2010, 69(3), 299-304)

 

Qi Gong bei Nackenschmerzen

Eine deutsche Studie verglich die Wirkung von Qigong und Bewegungstherapie bei Patienten mit chronischen Nackenschmerzen. 120 Patienten wurden in eine Qigong-, eine Bewegungs- und eine Kontrollgruppe aufgeteilt. Nach sechs Monaten mit insgesamt 18 Sitzungen zeigte sich bei der Qigong-Gruppe und bei der Bewegungsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe eine signifikante Verbesserung bei Nackenschmerzen, Einschränkung der Bewegungsfreiheit und Lebensqualität.

(Qigong versus Exercise versus no Therapy for Patients with Chronic Neck Pain a Randomized Controlled Trial, Spine, 2011, 36(6), 419-27)

 

Taiji und grüner Tee wirken sich positiv auf die Knochendichte von Frauen aus

Im Zug einer amerikanischen Studie wurden 171 postmenopausale Frauen mit Osteopenie (mangelnde Knochendichte) in vier Behandlungsgruppen unterteilt: Placebopille ohne Taiji; Grüntee-Polyphenole (GTP, 500mg/Tag) ohne Taiji; Placebopille plus Taiji (dreimal wöchentlich); GTP und Taiji. Der Behandlungszeitraum betrug sechs Monate. Wie sich zeigte, verbesserten die Einnahme von GTP (vergleichbar mit dem täglichen Konsum von vier bis sechs Tassen grünem Tee) und Taiji die Knochenwerte unabhängig voneinander. Beides reduzierte außerdem die biologischen Werte für oxidativen Stress, was auf eine entzündungshemmende Wirkung hindeutet.

(Effect of green tea polyphenols and Tai Chi exercise on bone health in postmenopausal women with low bone mass: a 24-week placebo-controlled randomized trial, FASEB Journal, 2011, 25,:594.3)